Literatur: Die Welt mit anderen Augen sehen

Literatur: Die Welt mit anderen Augen sehen

Das gleich vorweg: So locker das Buch sprachlich und vom Layout auch daherkommt, die 192 Seiten haben es in sich – sowohl für Anhänger der Wissenschaft als auch der Religion.

Denn der Autor lädt die Anhänger beider Gruppen zu sechs sogenannten Challenges – Herausforderungen – ein. Herausfordernd daran: Sowohl religiös als auch wissenschaftlich „Glaubende“ müssen ihre Standpunkte wechseln, wenn Sie dieses Buch ernsthaft lesen wollen.

Keine Angst, Sie brauchen kein Studium der Physik oder Theologie, denn er versteht die sechs Herausforderungen so zu gestalten, dass man sie ohne Vorkenntnisse annehmen und  bestehen kann. Und eines schafft er so ganz nebenbei: Unverändert lässt einen dieses Buch nicht, egal wie fest man an seiner Position hängt.

Doch zurück zum Buch. Die sechs Kapitel, die Challenges, sind überschrieben mit

Raum und Zeit
Sein und Werden
Gut und Böse
Huhn und Ei
Schöpfer und Schöpfung
Liebe und Verständnis

plus Bonuskapitel
„Einsteins Relativitätstheorie und Nahtoderfahrungen“

Das Motto des Buches liefert die Überschrift des Vorworts – Lösungen finden. Denn das versucht Marekolf H. Niemz: Verbindendes zu finden

mit dem man die Gräben zwischen Naturwissenschaft und Religion beziehungsweise Spiritualität zuschütten kann. Dazu nähert er sich den sechs entscheidenden Fragen, als Wissenschaftler und Glaubender. Das heißt: Jede religiöse These wird daraufhin abgeklopft, ob sie auch wissenschaftlich erklärbar ist und umgekehrt.

Herausforderung angenommen

Dieses „Umgekehrt“ ist die eigentliche Herausforderung. Es ist die Challenge, der sich Niemz persönlich stellt. Die Gemeinde der Wissenschaftler ist in der Regel an Fakten, Statistiken und reproduzierbaren Nachweise gebunden. Wenn einer der Ihren plötzlich das Lager wechselt beziehungsweise mit dem „Feind“ paktiert, muss er das schon sehr gut begründen.

Das schafft der Autor. Er bedient sich dabei auch einer barrierefreien Sprache, das heißt, er schreibt so, dass es auch „Erasma Erpel“, also die Frau oder der Mann von nebenan, verstehen kann. So baut er Berührungsängste zwischen den unterschiedlichen Bildungsniveaus ebenso ab, wie zwischen Naturwissenschaft und religiösem Glauben. Gleichzeitig lässt der Naturwissenschaftler in ihm die spirituellen Aspekte der Welt nicht mit einem einfachen „Das ist halt so!“ durchkommen, sondern exerziert an jedem Beispiel durch, warum die Aussagen zur Spiritualität ihre Entsprechung oder Erklärungen in den Naturwissenschaften haben.

„Die Welt mit anderen Augen sehen“ taugt als Einstieg in ein für viele Menschen neues Denken. Das Buch bringt gleichzeitig Licht in manch dunkle Ecke fundamentalistischer Entweder-oder-Diskussionen. Es wird dem ganzheitlichen Ansatz gerecht, der davon ausgeht, dass alles in der Welt miteinander verbunden ist und nährt die These, dass die Gegensätze zwischen Naturwissenschaft und Religion nur scheinbare sind.

Die Welt mit anderen Augen sehen, Markolf H. Niemz, Hardcover, 192 Seiten, Gütersloher Verlagshaus, ISBN: 978-3-579-06212-9, 20 Euro

Anmerkung: Diese Rezension entstand mit freundlicher Unterstützung des Gütersloher Verlagshauses, das mir das Buch „Die Welt mit anderen Augen sehen“ kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank dafür.