Literatur: Männerwürde

Literatur: Männerwürde

Was ist Männerwürde?

Welche Erwartungen hat die Gesellschaft an den Mann? Wie beeinflussen Erziehung, übernommene Leitsätze und generationenübergreifende Traumata die Würde des Mannes? Und: Wie gewinnt der Mann seine Würde zurück und bewahrt sie? Das fragt der Diplom-Pädagoge Udo Baer in seinem Buch „Männerwürde“, erschienen im Herder Verlag.

„Brauchen wir noch ein Buch über Männerprobleme?“ lautet die Eingangsfrage  Noch eines, mit dem sich Männer selbst finden vielleicht sogar neu erfinden sollen? Ich sage Ja!

Natürlich geht es in „Männerwürde“ um die Klassiker der Männer-Probleme: Vaterlosigkeit/Vaterwunde, Unfähigkeit zu fühlen oder Gefühle zu zeigen, fehlende Vorbilder, ->

falsche Rollenbilder, unerfüllbare Erwartungen… Warum auch nicht, denn diese Probleme sind nicht wegzureden, egal wie lange wir Männer auch immer „mit uns unterwegs“ sind. Doch dieses Buch beschränkt sich nicht darauf, die Probleme zu benennen. Auf dem Weg zu den Antworten auf diese Fragen beschreibt der Autor anhand der  Geschichten von Männern und wie diese Männer ihre Probleme erlebt, durchlebt, durchlitten und überwunden haben.

Geschichten-Sammlung

Dazu gliedert Udo Baer sein Buch in sechs Kapitel

  • Männerwürde – Würde – Eigensinn
  • Entwürdigung und Männerwürde
  • Männergefühle
  • Wenn es in der Partnerschaft knirscht und bricht
  • Männerfallen
  • Väter, Söhne und Töchter: ich will ein guter Vater sein.
  • Der Weg der Männerwürde

Die Geschichten in diesen Kapiteln berichten vom Scheitern, von Ablehnung und Übersehen werden, von  Verletzung und Rückzug, Leid und Überforderung. Sie beschreiben aber auch kleine und größere Erfolge, Ausbrüche aus fremdgesteuertem Verhalten, ja komplett fremdbestimmten Lebenswegen.

Eine wichtige Rolle bei der Lösung der Probleme spielen, das wird in Baers Buch deutlich, Männergruppen. Oft machen sie diese kleinen Fluchten, diese ersten Schritte auf für viele Männer unbekannten Wegen erst möglich. In diesen Schutzräumen, so deutet es sich an, entsteht ein neues Bewusstsein und im Austausch mit anderen Männern eine neue Lebenspraxis

Kapitel sieben ist der  der eigentliche Arbeitsteil des Buches und  das in wichtigste Kapitel.
ein gelungenes Hand- und Arbeitsbuch, und sicher nichts für Mimosen.
Wer das Buch im Abstand von ein, zwei Jahren erneut in die Hand nimmt

Zermürbend, ermüdend, traurig - und beispielhaft

Die vielen beispielhaften Erzählungen von Männern und ihren Verletzungen sind in der Summe manchmal ermüdend und traurig, ja zermürbend. Aber zum einen muss man, wie Udo Baer selbst schreibt, nicht jede Geschichte lesen, um ans Ziel zu kommen.

Zum anderen bieten die vielen Beispiele auch eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten zur eigenen Lebensgeschichte. Dadurch kann selbst der eine oder andere „alte Fahrensmann“ im Bereich männlicher Selbsterfahrung und -analyse auf den 296 Seiten Erlebnisse und Erzählungen entdecklen, die ihn unerwartet tief berühren. Dann sollte er innehalten und behutsam weiterlesen.

Der Schlüssel zur Würde

Denn dann liegt auch für ihn, den Erprobten im inneren Kampf, in diesen Geschichten der wahre Schatz dieses Buches: Sie können der Schlüssel zu Anteilen in uns sein, die wir trotz eifriger Arbeit an und für uns immer noch so gut weggeschlossen, verdrängt haben, sodass wir sie nicht (er)kennen konnten und ihnen damit Macht über uns gaben, uns unsere Würde zu rauben. Dies erkennen zu müssen, ist auch für erfahrene Sucher schwer verdauliche Kost, etwa in Kapitel fünf, das von den typischen Männer-Fallen handelt

Ein Arbeitsauftrag

Diese Kost wird auch im letzten Abschnitt des Buches nicht unbedingt bekömmlicher. Kapitel sieben ist der  der eigentliche Arbeitsteil des Buches und  das in wichtigste Kapitel. Alle anderen sind nur Vorbereitung, Ouvertüre, Vorspiel für das große Spiel, das nach der Lektüre des Buches und mit diesem Kapitel beginnt. Denn hier findest Du Arbeitsblätter und -anweisungen, mit denen Du Dich auf Grundlage der im Buch angesprochen Problemfelder, Deinem Schatten nähern, Deine Arbeitspakete aus dem Dunkel ans Licht holen und ihnen so die Macht über Dich nehmen kannst.

Mein Verdacht: Wer das Buch im Abstand von ein, zwei Jahren erneut in die Hand nimmt und sich wieder den Fragen dieses Kapitels stellt, wird andere, neue Aspekte für sich entdecken, die zu bearbeiten sinnvoll sind.

Mein Tipp:

Fülle nicht die Arbeitsblätter im Buch aus. Kauf Dir ein schönes gebundenes Buch mit leeren Seiten, schreibe darin die Fragen und Antworten auf und lege es für Dich  an einen geschützten Ort, an dem Du es immer wiederfinden kannst, um darin nachzulesen.

Nimm dieses Buch dann nach einem Jahr wieder in die Hand und beginne von vorn. Dann vergleiche Deine alten und Deine neuen Antworten. Du wirst Dich wundern…

„Männerwürde“ von Udo Baer ist ein Hand- und Arbeitsbuch nicht nur für Einsteiger, sondern auch für Männer, die schon länger unterwegs sind. An einigen Stellen in den Kapiteln hätte ich mir zur weniger Fallbeispiele gewünscht. Glecichzeitig bracuht das Buch diese  Vielfalt an Einblicken, um möglichst viele Männerwunden aufzudecken und Räume für Heilung zu öffnen.

Das Buch ist insgesamt gut lesbar, die Kapitel sind sinnvoll gegliedert. Das Überspringen von Absätzen innerhalb der Kapitel ist ohne Bruch des inhaltlichen Fortschritts möglich.

„Männerwürde“ ist ein gelungenes Hand- und Arbeitsbuch, und sicher nichts für Mimosen.

Männerwürde – Laut und leise, stark und zart – ein Handbuch von Udo Baer, Verlag Herder, Paperback, ISBN: 978-3-451-03277-6, 256 Seiten, 22,00 Euro.

Anmerkung: Diese Rezension entstand mit freundlicher Unterstützung des Herder Verlags, der mir das Buch „Männerwürde“ von Udo Baer kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank für diese Unterstützung.

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